Wichtig zu wissen!

Kategorie: Vorsorgemanagement

2017
28. Jul.

Krankenversicherung der Rentner (KVdR)

Komplexe Anforderungen für die Aufnahme in die KVdR

Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten angehende Rentner prüfen, ob sie auch die geforderten Voraussetzungen (Vorversicherungszeiten) für die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) erfüllen. Es gilt die „9/10-Regelung“ zu erreichen! Diese besagt, dass nur diejenigen die Voraussetzungen erfüllen, die in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens 90 Prozent in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert waren. Damit soll verhindert werden, dass Personen im höheren Alter aus der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, um steigenden Beitragslasten zu entgehen.

Nicht selten sind betroffene Rentner überrascht, wenn sie nicht von den Vorteilen der KVdR profitieren können sondern freiwilliges Mitglied in ihrer gesetzlichen Krankenkasse sind und hohe freiwillige Beiträge aufbringen müssen.

Zu den Personengruppen, die im Rentenalter freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse sind, zählen in der Regel Personen, die auf Grund eines längeren Auslandsaufenthalts sich vom deutschen Sozialversicherungs-system abgemeldet hatten. Auch selbständig Tätige, die von der Versicherungspflicht befreit sind, und sich nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung weiterhin freiwillig versichert haben.

Was ist die KVdR?
Die KVdR bietet den Rentnern der gesetzlichen Rentenversicherung den erforderlichen Krankenversicherungsschutz. Sie wird von der gesetzlichen Krankenversicherung durchgeführt. Der Rentner erhält grundsätzlich die Leistungen, die diese auch den übrigen Mitgliedern, wie zum Beispiel den pflichtversicherten Arbeitnehmern, gewährt. Das gilt auch für familienversicherte Angehörige eines in der KVdR versicherten Rentners.

Ab wann ist man in der KVdR versichert?
Die Mitgliedschaft beginnt grundsätzlich mit dem Tag der Rentenan-tragstellung. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Voraussetzungen – auch die Erfüllung der Vorversicherungszeit – gegeben sein. Bis zur Bewilligung der beantragten Rente gilt die „Rentenantragstellermitgliedschaft“ die dann ab Rentenbeginn von der Versicherungspflicht in der KVdR abgelöst wird.

Wie hoch sind die Versicherungsbeiträge?

  • Als Rentenantragsteller
    Bei der Bemessung der Beiträge ist die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Antragstellers zu berücksichtigen. Es gelten also alle Einkünfte wie Versorgungsbezüge, Arbeitseinkommen, Einkommen aus Vermietung und Verpachtung, Kapitaleinkünfte etc. Grundsätzlich gilt der ermäßigte Beitragssatz von 14,0 %. Für Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen gilt der allgemeine Beitragssatz von 14,6 %. Hinzu kommt der von der jeweiligen Krankenkasse festgelegte Zusatzbeitragssatz.
  • Als pflichtversicherter Rentner
    Als pflichtversicherter Rentner werden die Beiträge aus der Rente der gesetzlichen Rentenversicherung, Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen aus selbständiger Tätigkeit berechnet. Es gilt dabei der allgemeine Beitragssatz von 14,6 %. Die so bemessenen Beiträge tragen der Rentenversicherungsträger und der versicherungspflichtige Rentner jeweils zur Hälfte. Hinzu kommt der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse, den der Rentner alleine tragen muss.
  • Als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung
    Auch hier gilt die gesamtwirtschaftliche Lage des Rentners, so dass sämtliche Einkünfte für die Beitragserhebung anzusetzen sind. Welcher Beitragssatz für die Berechnung der Beiträge angesetzt wird, richtet sich nach der Art der beitragspflichtigen Einnahmen. Für die Renten der gesetzlichen Rentenversicherung, Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen aus einer nicht hauptberuflich selbständigen Tätigkeit ist der allgemeine Beitragssatz von 14,6 % maßgeblich. Für sonstige Einnahmen gilt der ermäßigte Beitragssatz von 14,0 %. Hinzu kommt der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse.
    Die sich daraus ergebenden Beiträge hat der freiwillig versicherte Rentner alleine zu tragen und an die Krankenkasse abzuführen. Auf Antrag zahlt der Rentenversicherungsträger allerdings einen Zuschuss zur Krankenversicherung, maximal in Höhe des halben Beitragssatzes (7,3 %) der gesetzlichen Rente.

Komplexität erfordert Beratung
Die persönlichen Verhältnisse sind oftmals Grund für die Komplexität im Sozialsystem. Sonderregelungen gelten für Renten wegen Todes, Anwartschaften aus ausländischen Versorgungssystemen und eventuell unterbrochenen Erwerbsbiographien.

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