Wichtig zu wissen!

Kategorie: Vorsorgemanagement

2017
28. Jul.

Flexirente

Die Flexirente erlaubt mehr Teilzeitarbeit während der Rente.

Einige Regelungen des Gesetzes zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben (Flexirentengesetz) gelten bereits seit dem 01.01.2017, weitere treten zum 01.07.2017 in Kraft.

Ziel des Gesetzes ist, den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand zukünftig flexibler zu gestalten und gleichzeitig die Attraktivität für ein Weiterarbeiten über die reguläre Altersgrenze hinaus zu erhöhen.

Diese Neuregelungen gelten bislang nur für die gesetzliche Renten-versicherung. Die Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung (bAV) hat der Gesetzgeber bislang außer Acht gelassen. Der derzeitige Wortlaut zur bAV lautet im § 6 des Betriebsrentengesetzes (BetrAVG). Der Arbeitnehmer hat nur dann einen Anspruch auf eine vorgezogene Betriebsrente, wenn er die Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung als Vollrente in Anspruch nimmt.

Was ist neu bei der Flexirente?
Die Flexirente gewährt ein bisher nicht gekanntes Maß an Flexibilität für die Beschäftigten:

  • Rentner können nun nach Erreichen der Regelaltersgrenze – spätestens ab der Vollendung des 67. Lebensjahres – durch Hinzuverdienste weitere Entgeltpunkte erwerben, wenn sie auf die Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Rentenversicherung verzichten. Bislang hatten bei einer Weiterbeschäftigung zwar die Arbeitgeber Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichtet, jedoch ohne dass sich dadurch die Rentenleistungen für den versicherten Rentner erhöht haben.
  • Für Rentenbezieher vor der Regelaltersgrenze, gelten dann Hinzuverdienstgrenzen. Überschreitet man diese Grenzen, gilt man als „Teilrentner“ und hätte nach dem BetrAVG keinen Anspruch auf eine vorgezogene Betriebsrente.
  • Bei der Überschreitung der Jahreshinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR bezieht man bis zur nächsten Überprüfung eine gekürzte Vollrente (Teilrente). Dabei erfolgt die Kürzung in 2 Stufen: Der Hinzuverdienst oberhalb von 6.300 EUR wird im ersten Schritt mit 40 % auf die gesetzliche Rente angerechnet. Liegt die so gekürzte Rente zusammen mit dem Hinzuverdienst dann noch oberhalb des individuellen Hinzuverdienstdeckels, wird sie um 100 % des übersteigenden Betrages gekürzt.
  • Berechnung des individuellen „Hinzuverdienstdeckels“: Die monatliche Bezugsgröße wird mit den höchsten Entgeltpunkten aus den letzten 15 Jahren vor Beginn der ersten Altersrente vervielfältigt. Die Neuberechnung erfolgt jährlich zum 1. Juli.
  • Für die Zuzahlung von Einmalbeiträgen als Ausgleich für die gekürzte vorgezogene Altersrente bzw. eine etwaige Teilrente der gesetzlichen Rentenversicherung, gilt nunmehr das 50. anstelle des 55. Lebensjahres.

Für viele Beschäftigte wird die neue Flexibilität der gesetzlichen Rentenversicherung eine Überlegung wert sein, ob sie den flexiblen Ausstieg aus dem Berufsleben angehen sollen. Dabei stellt sich schnell die Frage, ob eine vorzeitige gesetzliche Altersrente in Kombination mit einer Weiterbeschäftigung lukrativer sein kann als der „harte Ausstieg“ in die Regelaltersrente. Unternehmen werden die Neuregelungen nutzen um das fachliche Know-How ihrer Mitarbeiter möglichst lange zu nutzen. Für die Schnittstelle zur betrieblichen Altersversorgung werden sich Lösungen finden lassen. Fakten würden ansonsten die Arbeitsgerichte schaffen.

Wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern den flexiblen Übergang in den Ruhestand schmackhaft machen möchten, sind Beratungen für beide Seiten von Bedeutung. RVM und RISConsult bieten diese Beratung an.